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Den Blick "über uns" wagen

Den Blick "über uns" wagen
Den Blick "über uns" wagen

WETZLAR. Mit einem ökumenischen Festgottesdienst haben Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf) und Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (Limburg) das gemeinsame Programm der Kirchen auf dem Hessentag 2012 eröffnet. Im Gottesdienst den mehrere hundert Christen, darunter auch Ministerpräsident Volker Bouffier, mitfeierten, nahmen die beiden das Motto der Kirchen "Über uns - Ein Himmel für den Hessentag" in den Blick.

"Den Himmel für den Hessentag sehen Christen in einem besonderen Horizont", sagte Bischof Tebartz-van Elst. Er sei ein Standort des Glaubens, von dem aus sich ein eigener und größerer Blick auf das Leben ergebe. Jesus, der Sohn Gottes, lenke den Blick des Menschen dorthin, wo mehr zu sehen sei. "Unter uns gibt es oft die Versuchung, zuerst das zu sehen, was fehlt, woran es mangelt, was zu kritisieren ist", so Tebartz-van Elst. Der Bischof von Limburg warnte davor, den Blick nur auf das zu fixieren, was kirchlich und gesellschaftlich weniger werde. Dann nämlich werde man "blind für das, was von Gott her neu werden will".

Präses Nikolaus Schneider stellte die Taufe Jesu (vgl. Mt 3, 12-17) in den Mittelpunkt seiner Predigt. "In Jesus von Nazareth öffnet sich der Himmel für alle Menschen", so Schneider. Gleichzeitig ginge es darum, die Gerechtigkeit Gottes zu erfüllen und im Einklang mit seinem Wort und Willen zu leben. Dies sei nicht immer leicht. Doch mit der Taufe habe Christus ein Zeichen des geöffneten Himmels geschenkt, verbunden mit der Verheißung einer Zukunft ohne Unrecht, Krankheit und Tod. "Lassen wir uns von Gottes Geist zu "Himmlischen Erfahrungen" einladen!", appellierte Schneider.

Beide Theologen sehen im ersten gemeinsamen Auftritt der Kirchen bei einem Hessentag ein starkes Zeichen ökumenischer Verbundenheit. Der Dom in Wetzlar sei seit Jahrhunderten ein Ort, an dem Christen beider Konfessionen zum Gebet und zum Gottesdienst zusammenkämen und Glauben miteinander feierten. "Wir sehen hier viel, was uns geschenkt ist und was wir in der Ökumene schon erreicht haben und wir sehen, was miteinander geht und wohin wir gemeinsam unterwegs bleiben wollen", so Tebartz-van Elst.

Auch Ministerpräsident Volker Bouffier lobte in seinem Grußwort das Miteinander der christlichen Kirchen. Das kirchliche Motto "Über uns - ein Himmel für den Hessentag" fasziniere ihn, so Ministerpräsident Volker Bouffier. Im Gewühl der Meinungen und Aufgaben täte es gut, auch den Blick nach oben zu richten, denn der Wechsel von Ausgelassenheit und Stille gehöre zum Hessentag dazu. "Meine Anerkennung für dieses Zeichen gelebter Ökumene!" lobte er das gute Miteinander der beiden Konfessionen und wünschte den Hessentagsbesuchern "eine himmlische Zeit für Leib und Seele".

Die Kirchen werden bis zum 10. Juni ein abwechslungsreiches Programm mit Gottesdiensten, Gebetszeiten und Konzerten bieten. Der Dom wird der zentrale Veranstaltungsort des ökumenischen Auftritts sein. Hier wird das große Konzert mit Jan Gabarek und dem Hilliard Ensemble am Freitag, 8. Juni, um 20 Uhr, stattfinden und hier werden Margot Käßmann und der Musiker Hans-Jürgen Hufeisen zu einer Konzertmeditation am 7. Juni, 19.30 Uhr, zu Gast sein. Ein besonderes Hörerlebnis erwartet die Besucher beim gemeinsamen Abschlusskonzert der beiden Domkantoreien am Sonntag, 10. Juni, 20.30 Uhr. Die Sängerinnen und Sänger werden unter der Leitung von Dietrich Bräutigam und Horst Christill erstmalig die 5. Sinfonie von Beethoven und die Messe in A-Dur von Franck aufführen. Begleitet werden sie dabei von der Kammerphilharmonie Rhein-Main sowie den Solisten Kira Petry (Sopran), Daniel Sans (Tenor) und Andreas Czerney (Bass).

Die Besucher des Doms, der einer der ältesten Simultankirchen Deutschlands ist und von Christen beider Konfessionen gleichermaßen genutzt wird, können während des Hessentags täglich an einer Ökumenebibel in einem Scriptorium mitschreiben. Auf Büttenpapier soll so das Evangelium nach Johannes neu aufgeschrieben werden. Im sogenannten Heidenhof des Domes werden Handwerker und Künstler in der Zeit des Hessentags arbeiten und ihr Können unter Beweis stellen: Biblische Figuren werden dort von einem Steinmetz gegossen, ein Holzschnitzer schnitzt Krippenfiguren, ein Bleiverglaser richtet einige Domfenster wieder her, eine Glaskünstlerin fertigt Sterne in Tiffanytechnik an und eine Buchbindemeisterin wird Bücher restaurieren.

Himmelsparcour und Wolke 7

Rund um den Dom laden Jugendliche die Besucher zu einem Himmelsparcour ein. Acht verschiedene Stationen sollen die Besucher zum Nachdenken und mitmachen anregen: Entspannung wird ein übergroßes Himmelbett als "Wolke 7" bieten. Bei himmlischer Musik und himmlischen Texten können sich die Gäste so eine Auszeit vom Hessentagstrubel gönnen. Eine Himmelspforte lädt dazu ein, Engel und Wolken auszuschneiden und mit persönlichen Wünschen, Visionen und Träumen zu beschriften. Diese Wolken und Engel werden dann vor dem Dom in ein himmlisches Netz gehängt. Schulklassen und Jugendgruppen haben in einem Projekt himmlische Kurzfilme gedreht und werden diese im Dom präsentieren. Ebenfalls von Jugendlichen entwickelt wurde die Ausstellung "Koffer für eine Reise in den Himmel". Die jungen Leute setzten sich dabei intensiv mit den Themen Sterben und Tod auseinander. Zudem wird es himmlische Kreuzworträtsel, Interviews zwischen Himmel und Erde, Portraits im Regenbogen und ein Kinoprogramm mit Kurzfilmen unter dem Leitwort "...nicht nur das Blaue vom Himmel" geben.

Im Dom wird es jeden Tag um 12 Uhr ein Mittagsgebet und jeden Abend um 22 Uhr ein Nachtgebet geben. Geplant sind an fünf Abenden, jeweils um 18 Uhr, musikalisch besonders gestaltete Gebetszeiten, die sogenannten Wetzlarer Evensongs. Unter dem Motto "Wort-Symbol-Bild" steht eine fantasievolle Lichtinstallation vom 3. bis 5. Juni um 22 Uhr. Biker sind zum ökumenischen Gottesdienst für Motarradfahrer mit Diakon Stefan Zeiger und Bezirksdekan Dr. Christof May am 9. Juni, ab 10 Uhr in Albshausen eingeladen. Die Kirchen beenden ihr Programm mit einem ökumenischen Gottesdienst mit Superintendentin Ute Kannemann und Bezirksdekan Dr. Christof May am 10. Juni, um 11 Uhr.

Ein Weg nach oben

Die katholische Kirche wird zudem mit einer etwa zehn Meter hohen Himmelstreppe auf der Hessentagsstraße präsent sein. "Die Himmelstreppe lädt dazu ein, sich aus dem Trubel des Hessentags auszuklinken und von oben auf das Geschehen zu blicken", erklärt Hermann Bernhard. Die Treppe, ein freistehender und begehbarer Turm will die Besucher dem Himmel ein Stück näher bringen und auf den, der "über uns" ist hinweisen. "Fotografien, Plakate und Sprüche weisen auf dem Weg nach oben auf Gott hin", so Bernhard. Am Turm gibt es zudem die Möglichkeit, "himmlische Wünsche" auf Postkarten zu schreiben, die dann auf einem großen digitalen Bildschirm in Laufschrift weitergegeben werden können. Die Himmelstreppe wird in der Zeit des Hessentags täglich von 10 bis 24 Uhr geöffnet sein.

Himmelskirche bietet spirituellen Erlebnisraum

 Die evangelische Kirche lädt in die Hospitalkirche ein. Für den Hessentag wandelt sich das Gotteshaus in eine Himmelskirche. Im Inneren wird ein großes Himmelszelt aufgespannt. Wechselnde Lichtinstallationen an der Decke werden die Besucher inspirieren und ihnen einen spirituellen Erlebnisraum eröffnen. Darüber hinaus laden zahlreiche Konzerte, Gottesdienste, Lesungen auf der "Blauen Couch der Diakonie" und Gebetszeiten zu Besinnung und Entdecken neuer Perspektiven ein. Besucht werden kann die Himmelskirche täglich von 10 bis 24 Uhr. Zu den Programmhöhepunkten in der Himmelskirche gehören die Konzerte des David Orlowsky-Trios ("Chronos") am 2. Juni, von Maren Kroymann und Band am 3. Juni ("In my sixties") sowie der Formation "Brass Connection" am 6. Juni. Eine Vortragsveranstaltung bietet Matthias Schenk vom Wiesbadener Schloss Freudenberg ("Engel stolpern nicht") am 4. Juni und ein Musikkabarett mit Lars Reichow ("Goldfinger Live") am 5. Juni. Alle Veranstaltungen beginnen jeweils um 20 Uhr. Lesungen können die Besucher von Adriana Altaras ("Titos Brille") am 9. Juni ab 16 Uhr und von Silke Schütze ("Erdbeerkönigin") am 10. Juni ab 13 Uhr hören. Die Diakonie Lahn-Dill präsentiert sich in der Himmelskirche mit einem eigenen Programm auf der "Blauen Couch" nahezu täglich um 16 Uhr. Eine Ausnahme macht Margot Käßmann, die am Donnerstag, 7. Juni, dort um 17 Uhr Platz nimmt. Zu dieser Veranstaltung sind Platzkarten erhältlich. Darüber hinaus diskutieren am 2. Juni Pastorin Christine Rösch vom Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, am 4. Juni Matthias Schenk, am 5. Juni Dr. Wolfgang Gern, Präsident des Diakonischen Werkes der EKHN, am 6. Juni Jürgen Werth, Vorsitzender von ERF-Medien und am 8. Juni Ursula Brendel vom Diakonischen Werk in Hessen und Nassau mit Moderatorin Maren Hoffmann-Rothe (Wetzlar) über aktuelle Themen der Diakonie.

Getragen und organisiert wird der gemeinsame Auftritt der Kirchen vom Bistum Limburg, von der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. (StS)